{Adventskalender} Türchen 13

Guten Morgen ihr Lieben,

na dann wollen wir heute doch mal unser 13. Türchen öffnen und schauen wer dahinter steckt.
Heute begrüßen wir Katherina Ushachov. 
Ihre Protagonistin Anna hat sich für ein Interview bereit erklärt welches ich euch nun vorstellen darf.

Gewinnspielfrage: Was ist Annas Spezialgebiet ?
Das Gewinnspiel endet am 31.12.17 um 20 Uhr!
Teilnahmebedinungen: Gewinnspielfrage beantworten!



Hallo Anna, schön dass du dich bereit erklärt hast dieses Interview mit mir zu führen.

                                               

Magst du etwas über dich erzählen ? Wie alt du bist, woher du kommst usw.

Ich bin 25 Jahre alt und wurde in Moskau geboren, kann mich an die Stadt aber kaum noch erinnern. Als ich drei Jahre alt war, sind wir ausgewandert, Vater, Mutter und ich. Mein Vater hat die Familie allerdings kurz nach dem Auswandern verlassen. Derzeit studiere ich Slawistik im Master und bin schon fast fertig. Einen Masterbetreuer habe ich gefunden und auch schon angefangen, mir passende Bücher zu meinem Thema auszuleihen. Jetzt muss nur noch das Semester zu Ende gehen und ich kann endlich über russische Märchen forschen – ein Traum wird wahr!



Wie hast du Deutsch gelernt, wenn ihr zu Hause nur Russisch sprecht ?

Ich war sehr klein, als wir eingewandert sind und kam sofort in den deutschen Kindergarten. Und anfangs hatten wir auch kein russisches Fernsehen, also war alles um mich herum deutschsprachig. Die anderen Kinder im Kindergarten, die Erzieherinnen, die Durchsagen der Haltestelle beim Busfahren, die Trickfilme, alles. Es war unmöglich, es nicht zu lernen.



Kannst du dich daran erinnern warum dein Vater euch verlassen hat oder weißt du einen Grund ?

Ich habe meine Mutter gefragt, erinnern kann ich mich nicht. Sie hat gesagt, dass er getrunken hat und es kein allzu großer Verlust war. Ich habe keine Ahnung, warum sie sich nicht vorher schon getrennt haben, er ist schließlich genauso Deutscher wie meine Mutter, hätte also problemlos auch ohne uns auswandern können. Da gab es in meinem Umfeld einige wesentlich hässlichere Geschichten, über Leute, die vom Ehepartner erpresst wurden, sich erst nach dem Auswandern zu trennen. Auch Scheinehen und andere Geschichten. Man hört die wildesten Gerüchte, wenn man sich ein wenig umhört.



Warum studierst du in Frankfurt ?

Das Auffanglager für Einwanderer, in dem wir gelandet sind, lag in der Nähe von Frankfurt und als meine Mutter nach dem Sprachkurs für uns eine Wohnung gesucht hat, kannte sie die Stadt zumindest ein bisschen schon und ist geblieben. Dass ich dann in der Stadt studiere, in der ich aufgewachsen bin, wenn ich kann, war dann naheliegend. Meine Mutter hat ja nur mich hier.



Hast du mit deinen Freundinnen etwas gemeinsam ?

Wir waren Teil der gleichen Einwanderungswelle und haben schon als Kinder miteinander gespielt. Wir sind zusammen aufgewachsen und kennen alle drei die Probleme, dass man nie so richtig dazugehört. Für die Deutschen bin ich die „Russin“, für die Menschen in Moskau sind wir „die Deutschen“ und ich selbst bin irgendwo dazwischen, manchmal beides, manchmal nichts von beidem. Es tut gut, Menschen in meinem Alter zu haben, die das verstehen und denen es genauso geht. Meine deutschen Freunde verstehen mich manchmal nicht, wenn ich solche Geschichten erzähle.



Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Ich unternehme sehr gerne etwas mit meinen Freundinnen oder auch mit den Freunden aus der Uni. Im Café sitzen und reden, auch mal shoppen. Wenn ich schon Kleider anprobieren muss, dann ist es mit zwei anderen jungen Frauen immer noch lustiger, als mit der eigenen Mutter. Wirklich.

Wir verabreden uns auch schon mal zum Backen (und Mampfen) oder laufen durch die Frankfurter Innenstadt. Da gibt es sehr viele schöne Plätze, Frankfurt ist ja nicht nur die Stadt der Wolkenkratzer.

Ansonsten lese ich gerne bei einer Tasse Tee mit etwas Marmelade oder gehe eislaufen.

Und es ist zwar nicht direkt ein Hobby, aber etwas, wofür ich mir immer etwas Freizeit lasse. Das sind regelmäßige Kirchenbesuche. Und wenn ich nur kurz vorbeischauen und eine Kerze anzünden kann. Ein bisschen Zeit ist immer.



Was fasziniert dich so an den russischen Märchen ?

Sie folgen oft einem sehr interessanten Schema. Zuerst bekommt der Held etwas, ohne dass er sich dafür anstrengen muss. Dann wird ihm dieses etwas genommen und er muss sich nun darum bemühen. Gleichzeitig sind sie, gerade im Vergleich zu Grimms oft sehr kompakten Märchen, oft ganz schön lang und haben mehrere unterscheidbare Handlungsstränge.

Und natürlich sind sie immer Abbilder ihrer jeweiligen Epoche. Man kann aus ihnen viel über das Selbstbild der Menschen in der Vergangenheit lernen.



Was kann man alles über Märchen erforschen, dass du unbedingt in der Märchenforschung arbeiten möchtest ?

Einiges. Es gibt ja unendlich viele Möglichkeiten, ein Märchen zu deuten. Nicht nur literaturwissenschaftlich, wie ich es tue, sondern zum Beispiel auch tiefenpsychologisch, oft kommt man recht weit, wenn man die einzelnen Figuren im Märchen als unterschiedliche Aspekte einer vollwertigen Persönlichkeit betrachtet, beispielsweise.

Mein Spezialgebiet sind allerdings die Kunstmärchen, das sind die, die bewusst von einem Dichter oder einer Dichterin verfasst wurden. Und das eröffnet wieder neue Felder der Forschung. Man kann versuchen, den volkstümlichen Quellen nachzuspüren, an denen sich orientiert wurde und anhand von Spuren im Text nachweisen, von welchen anderen Strömungen und Geschichten die Niederschrift beinflusst wurde. Man kann nach Urfassungen suchen und die Abweichungen geschichtlich, gesellschaftlich oder literaturwissenschaftlich deuten. Es ist großartig.



Hast du ein Lieblingsmärchen ?

Es ist „Das Märchen vom Fischer und dem Fischlein“ von meinem Lieblingsdichter Puschkin.



Und was begeistert dich an deinem Lieblingsmärchen am Meisten ? 

Zum Einen ist es der schlichte Klang, wenn man es vorliest. Es ist sehr melodisch und von allen Kunstmärchen von A. S. Puschkin für mich das Klangvollste. Und, als Forscherin gesprochen, mich fasziniert die Intertextualität dahinter. Das Märchen gilt als typisch plattdeutsch, wie kam es nach Russland? Welches war zuerst da? Vor allem, weil dieses hier sehr russisch ist. Es ist um ein Vielfaches länger, als das deutsche, es hat mehr Stationen und benutzt idiomatische Wendungen, die teilweise bis heute benutzt werden. Und es hat eine wunderbare Botschaft, die gleichzeitig



Könntest du dich in einen Märchenprinzen verlieben ?

Oh, dafür weiß ich zu gut, für welche Dinge ein Märchenprinz metaphorisch steht. Nein, mir ist ein Mann aus Fleisch und Blut dann doch lieber, fürchte ich.



Wie stellst du dir deinen Prinzen vor oder hast du diesen schon gefunden ?

Da gibt es diesen Mann … Vermutlich ist an ihm wenig Prinzenhaftes. Und er hat in dem Restaurant gegessen und getrunken, in dem ich kellnere. Normalerweise mag ich keine betrunkenen Männer, aber dieser hier hat etwas ausgestrahlt, was mich trotz allem sofort angezogen hat. Ich kann nicht aufhören, an ihn zu denken und gleichzeitig weiß ich, dass ich ihn vermutlich nie mehr wiedersehe. Ein Stammkunde ist er nämlich nicht.



Vielen Dank für das Interview Anna. Ich wünsche dir für dein Studium und deinen weiteren Lebensweg alles Gute.



Vielen Dank für die guten Wünsche!



Zu gewinnen gibt es:  
1 signiertes Print "Zarin Saltan"
Klappentext: 
Ein begehrter Junggeselle Drei Konkurrentinnen Ein magisches Eichhörnchen Als die Slawistikstudentin Anna von ihren besten Freundinnen heimlich bei einer russischen Datingshow angemeldet wird, ahnt sie nicht, dass sie dort dem Kaviarzar Viktor begegnet. Ganz überraschend wählt er sie aus und Anna ist damit nur einen Schritt entfernt von einem Leben wie im Märchen. Doch Neid und Missgunst lassen den Traum bald zum Albtraum werden und sie braucht jede Hilfe, die sie bekommen kann. Selbst wenn diese magisch ist und die Helfer merkwürdig anmuten. „Zar Saltan“ in neuem Gewand

Link zum Buch: Zarin Saltan

Kommentare:

  1. WOW
    Ihr Spezialgebiet sind die ´´ Kunstmärchen´´.
    Ich finde es absolut fazinierend das jemand ´´Märchen´´-´´Kunstmärchen´´studiert.Habe ich noch nie etwas drüber gehört oder gelesen.
    Danke für dieses tolle Interview.

    AntwortenLöschen
  2. Hallo!
    Kunstmärchen sind ihr Spezialgebiet.
    Liebe Grüße, Melanie Siedentop

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Herzlichen Glückwunsch Melanie.
      Bitte melde dich mit deiner Adresse bei mir per Mail unter: JLicher93@aol.com

      Löschen
    2. Dankeschön! ❤️ Ich freue mich sehr. 😀

      Löschen